In 80 Tagen um die Welt

Romantisierung und Entzauberung

Von: Franziska Martin
Foto: privat

Von 1519 bis 1522 umrundete das erste Schiff unter der Leitung des Portugiesen Ferdinand Magellan die Welt. Viele weitere sollten Herrn Mangellan noch folgen: Bis heute versuchen die unterschiedlichsten Menschen per Flugzeug, Schiff, Segelboot, Fahrrad, Auto, Bahn oder auch zu Fuß, die Welt zu umrunden. Das Alter ist dabei kein Kriterium: Der Japaner Saburo Shochi war zum Zeitpunkt seiner Weltumrundung 106 Jahre alt. Die Niederländerin Laura Dekker startete mit 14 im Zweimaster ihre Weltumrundung. Bei einer Weltumrundung steht eine Sache ganz klar im Vordergrund: Das Reisen. Und die Faszination dafür. Und nicht nur in der Realität, auch in den schönen Künsten, wie beispielsweise der Literatur, ist diese Faszination für das Reisen ungebrochen: Von Jules Vernes Roman In 80 Tagen um die Welt bis hin zu Jack Kerouac’s Roman On the Road wird das Unterwegs-Sein mystifiziert. Und auch im Kino findet man vom Aussteiger-Film Into the Wild bis hin zum Feel-Good-Movie Eat, Pray, Love viele Beispiele für die Erfüllung von Träumen und Hoffnungen durch das Reisen.

Die Entzauberung des Reisens

Spricht man vom Reisen, vom Unterwegs sein im ganz großen Stil, so schwingen die Vorstellungen von Freiheit, Ungebundenheit und Abenteuer immer mit. Die Gründe hierfür reichen von „Einmal den ganz großen Traum leben“ bis hin zu „Ich bin ja nicht ewig jung“. Aber kann Reisen überhaupt noch den großen Traum von Freiheit und Selbstbestimmtheit erfüllen oder ist es nicht doch nur noch ein Teil von dem bewussten Lifestyle, der heutzutage von allen so gepredigt wird? Unzählige Anbieter von Around-the-world-Tickets versprechen einen möglichst reibungslosen Ablauf. Lebensläufe werden mit Auslandsaufenthalten abgerundet und aufgewertet. Reise-Blogs werben mit Spiritualität und verfolgen doch ganz klar eher eine Selbstvermarktungsstrategie als alles andere. Reisen wird in der heutigen Zeit besonders auf medialer Ebene zum Event gemacht: Der Videoblogger Christoph Karresch beispielsweise ist in zehn Tagen um die Welt gereist – die Ziele und Aufgaben, die er dort erledigen sollte, bestimmten seine Follower. Aber so faszinierend das auch alles ist – Sorgt es nicht auch für eine Entzauberung von der Idee des Reisens?

Veränderungen

Spricht man mit denjenigen, die selbst weit gereist sind, so scheint sich diese Frage allerdings gar nicht zu stellen. Mit glänzenden Augen wird beispielsweise von Südamerika, Malaysia und den Philippinen berichtet. Das Reisen selbst und seine Mediatisierung sind eben doch zwei unterschiedliche paar Schuhe. Eines steht jedoch fest: Durch das Internet und die dazu gehörende meist gut ausgebaute Infrastruktur in vielen Ländern, hat sich die Art und Weise des Reisens im Vergleich zu früheren Zeiten grundlegend verändert. Weiß man beispielsweise nicht, wo man die nächste Nacht schlafen soll – Air’nB oder Couchsurfing wird’s schon richten. So sorgt Couchsurfing für eine stärkere Vernetzung unter Globetrottern und macht es einfach, einen kostenlosen Schlafplatz für die nächste Nacht zu finden.

Abenteuer

Und doch: Ein bisschen Abenteuer steckt doch immer noch in jeder Reise, egal wie unendlich einfach alles durch die Möglichkeiten im Internet scheint. Ich beispielsweise bekomme beim Anblick eines Nachtzuges nach Paris immer noch Herzklopfen und freue mich auf den Geruch, auf das Gefühl, unterwegs zu sein. Das nämlich hat sich in all den Jahren nicht geändert: Zum Reisen muss man sich aufraffen und fortbewegen. Egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Schiff oder dem Flugzeug.

Vielleicht gehört die Romantisierung einfach zum Reisen dazu.

ZigZag-05

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