Zwischen Gedankenwirrwarr und ätzender Realität

Von Marianne Blaschke, Illustration: Franziska Martin

Und Cut… (Geräusch einer Filmklappe)

Umbruch passiert oft in den Momenten, in denen wir es am wenigsten erwarten.

Egal in welchem Bereich: Dieser Moment schließt etwas ab, etwas Altes ist vorbei, etwas Neues kommt. Manchmal rutschen wir einfach in einen Umbruch hinein, dann ist es eine fast logische Schlussfolgerung des Vorangegangenen. Das Öffnen einer neuen Tür und Ergreifen einer Chance. Manchmal ist es aber auch etwas, das wir gar nicht wollen, sondern einfach um uns herum und mit uns passiert.

Ok… also Umbruch… Wie jetzt? Warum? Was ist überhaupt passiert? Eine Fragewelle bricht auf uns ein, weil es ab und zu nicht genau zu erklären ist, wie der Umbruch jetzt passiert ist. Weder für andere noch für uns selber und wir uns damit vielleicht für etwas entscheiden, was wir so in seiner kompletten harten Realität doch gar nicht wollen. Aus der Ferne ist manches entspannter zu betrachten als aus  der Nähe. Sind die Dinge, die wir tun, immer endgültig? Ist ein Umbruch ein „Tschüßi“ an alles, das vorher war? Gibt es einen Zwischenweg, die gute alte Grauzone? Damit es eben nicht ganz so schlimm ist und wir uns nicht ganz so darauf einlassen müssen, sondern galant darum herum „schlawenzeln“ können. Damit so ein Umbruch nicht so voller Wucht kommt, denn das wollen wir natürlich nicht. Gibt es so etwas? Lass mich kurz überle… NEIN! Gerade die Wucht, das Unberechenbare daran, all das bringt ein Umbruch einfach mal mit sich, und ob wir das wollen oder nicht, ist so was von egal. Das gehört einfach dazu.

Umbrüche beginnen bei uns selbst

Umbruch heißt, aus dem auszubrechen was bisher war und sich dem Neuem zu widmen. Ob dies in etwas komplett anderem bestehen muss, ist dabei weder klar noch entscheidend und hängt von der Situation und den Menschen drum herum ab. Und genau das ist die große Frage: Wann ist wie viel zu wenig und wann ist es zuviel? Auf jeden Fall müssen wir auch unsere Einstellung ändern, irgendwo da tief drin zwischen unserem Gedankenwirrwarr und der ätzenden realen Wahrheit da draußen.

Umbrüche beginnen bei uns selbst und nur wir können auch erkennen, wann es Zeit dafür ist, und wann sich ein Umbruch lohnen würde. Nur weil sich die Welt ändert, bedeutet dies nicht automatisch, dass wir uns mit ihr ändern. Es gibt Menschen, die Trauer oder Wut erst Jahre später bewältigen, wenn der eigentliche Umbruch objektiv betrachtet längst vorbei ist. Zu wissen, ob sich gelohnt hat, was wir da ab und zu so von uns geben oder in was wir uns reinstürzen oder in was wir reingezogen werden oder, oder, oder… das merken wir erst hinterher. Umbruch ist nichts, das man im Hier und Jetzt in seiner Vollendung mitbekommt, Teile vielleicht, aber leider nicht den Teil, der uns sagen könnte, ob wir es lieber dabei belassen sollten und es doch nicht wagen, lieber schön in unserer Komfortzone bleiben und unsere Gedanken und Gefühle in eine Decke packen, einen Tee kochen und die nächste Serie von vorne suchten.

Umbrüche helfen beim Reflektieren

Bei einem Umbruch bricht man irgendwie etwas ab, auch etwas von sich selbst, von dem, was man grad noch war und jetzt schon nicht mehr. Es besteht die Gefahr, sich selbst ein Stück weit zu verlieren. Aber vielleicht braucht man das. Ab und zu. Und es wäre ja kein Umbruch, wenn er nicht auch zu einem gewissen Teil radikal wär. Und bei Radikalem geht immer etwas verloren.

Wir können uns dabei auch nicht nur vor anderen, sondern manchmal auch sehr gut vor uns selber verstecken. Das ist eine Zeit lang prima und manchmal muss es sein, doch irgendwann kommt dieses mulmige Gefühl im Bauch, das uns verrät, dass wir ausbrechen müssen. Dieser Moment, in dem wir merken, dass wir ganz gut zurechtkommen, ein Umbruch aber wichtig wäre, um voran zu kommen. Umbrüche sind genauso schön, wie sie schmerzhaft sein können. Aber sie helfen auch. Es liegt dann eine Art „Du-kannst-alles-schaffen-Motivation“ in der Luft und die lässt uns daran festhalten und weitermachen. Natürlich unter Vorbehalt und mit der großen Hoffnung, dass es  nicht der größte Mist ist, der am Ende dabei herauskommt.

Umbrüche bringen uns genauso im Leben weiter, wie sie uns im Weg stehen und extrem behindern können. Einfach mal in Ruhe den Moment im Hier und Jetzt zu genießen wird zur Herausforderung. Unsere Generation lebt ja von ständigen Umbrüchen – immer auf der Suche in der Gewissheit, dass es etwas noch Besseres gibt. Doh sind das echte Umbrüche? Oder nur die Angst, und das Sich-Verstecken vor einem tatsächlichen Umbruch, einer wirklichen Entscheidung mit Konsequenzen. Denn wer immer nur auf der Suche nach dem Nächstbesten ist, lässt nichts ruhen oder wartet erst einmal ab und lässt die Sache sich von selber entwickeln. Viel eher ist man schon wieder woanders, selbst, wenn noch gar nicht klar ist, was einem das Vorherige genau gebracht hat. Eine Zeit lang läuft man damit sehr gut und findet sich in einer Welt voller Möglichkeiten wieder: Nichts und niemand kann einen daran hindern, alles zu tun, was man will. Eine wunderbare Zeit.

Unsere Umbrüche schlagen Wellen

Umbrüche betreffen nicht nur uns allein: Die Menschen um uns herum kriegen davon auch eine ordentliche Portion ab. Man wäre ja nicht man selbst, wenn man sich darüber keine Gedanken machen würde. Naja, man sollte es zumindest. Auch in einer Ego-Phase, die es hin und wieder gibt und geben muss. Ein Umbruch, ohne nach links und rechts zu schauen, wer an unserer Seite ist, sind keine wirklichen Umbrüche, sondern eine Phase, in der man egoistisch seinem Dasein frönt. Mit Sicherheit ist das eine gute Möglichkeit, immer und überall irgendwie durchzukommen, aber ein erfülltes Leben mit Menschen um einen herum, die man liebt und die einen zurück lieben, ist es nicht. Auf lange Sicht gesehen, brauchen wir Menschen, die wir kennen, lieben und vertrauen an unserer Seite. Die sich  Gedanken machen zu den eigenen Vorstellungen, denn manchmal bekommen dadurch Dinge einen neuen Sinn. Die Suche alleine und das ständige Hinterfragen der eigenen Gedanken und Taten kann so ätzend sein. Und warum? Weil wir uns entweder nicht richtig kennen oder weil wir uns so gut kennen, dass wir genau wissen, wie wir am besten die Augen vor uns selbst schließen können. Na toll, also kann Umbruch auch noch ein innerer Teufelskreis sein?

Sich selbst zurücknehmen und die Vogelperspektive zu wählen, kann man am besten mit Menschen, die einen sehr gut kennen und einen anderen Blickwinkel auf Dinge haben. Manchmal hilft einem die entgegengesetzte Meinung mehr, als das Befürworten aller Dinge, die wir tun und wofür wir auch noch gerne Zuspruch bekommen möchten. Denn wahre Freunde sagen es uns auch, wenn etwas nicht gut ist und wir es selber nicht sehen. Der eigene Gedanke des Umbruchs und des Neuen muss sich durch die Vogelperspektive der anderen nicht grundlegend ändern, aber man sollte lernen, den eigenen Umbruch zu reflektieren und schauen was dann – mit uns selber und den anderen – passiert. Zum Schluss noch ein Rat von mir zum Thema Umbruch: Wenn ihr den Umbruch selbst entscheiden könnt, macht es oder macht es nicht – aber fragt euch dabei, was ihr vielleicht verlieren würdet und ob es das wert ist. Und für die Fälle von außen, bei denen ihr nicht entscheiden könnt: Augen zu und durch!

ZigZag-06

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