You’re a fake, Baby

von Franziska Martin, Illustration: Franziska Martin

„Oh nein, nicht schon wieder das Thema“, höre ich manche aufstöhnen. Aber doch. Schon wieder „Fake News“, heute auch im Zaungast. Denn das Phänomen verliert mit der Zeit weder an Brisanz noch an Wichtigkeit. Nicht umsonst hat der designierte Präsident Frankreichs Macron vor wenigen Tagen Anzeige aufgrund von Falschmeldungen erstattet, da diese seinen Wahlkampf potentiell gefährdet haben.

Stichwort Glaubwürdigkeit

Die Ursprünge von Fake News sind so alt wie die Menschheit selbst, denn eigentlich beruhen sie auf dem Prinzip Klatsch und Tratsch. Allerdings die Sorte Klatsch und Tratsch, die der Integrität der jeweiligen Person oder Sache fundamental schadet. Stichwort „Glaubwürdigkeit“, die geht dabei nämlich verloren. Die Fake News von heute tarnen sich als vermeintlich seriöse Nachrichten, die sich oft durch sozialen Netzwerke oder Websites wie beispielsweise 4chan verbreiten. Dort können User völlig anonym Inhalte posten. Mitunter werden Fake News auch versehentlich von Journalisten aufgegriffen, was die Reichweite um ein Beträchtliches erhöhen kann. Manche Fake News sind komplett erfunden, andere benutzen bereits existierende Bilder oder Zitate, die allerdings verfälscht oder in einen anderen Kontext, als den ursprünglich gemeinten, dargestellt werden. So weit, so schlecht. Allerdings stellt sich gerade in den sozialen Medien die Frage: Was ist noch eine Meinung und was schon eine Fake News? Gerade dort fällt die Unterscheidung schon mal ein bisschen schwerer. So eindeutig ist das Phänomen Fake News nämlich gar nicht zu fassen.

Das Fake-News-Karussell

Einer der Gründe, warum sich Fake News so schnell verbreiten, ist der, dass man damit auch Geld verdienen kann. An diesem Punkt sei noch einmal an die Geschichte von einigen jungen Menschen in Mazedonien erinnert, die mit dem Verbreiten von Falschnachrichten während des US-Wahlkampfes ein Vielfaches dessen verdienten, was sie normalerweise eingenommen hätten. Ein weiterer Grund für die schnelle Verbreitung sind Social Bots. Das sind Computerprogramme, die so programmiert werden können, dass sie menschliche Kommunikation simulieren und bei Twitter beispielsweise zielgerichtet Aussagen retweeten und damit der Verbreitung von Fake News in die Hände spielen.

Verfasser von Fake News, Betreiber der Websites, auf denen diese erscheinen, Verbreiter, Geld und die technischen Möglichkeiten spielen also alle eine Rolle in diesem Karussell der „alternativen“ Fakten, Falschbehauptungen und Schein-Wahrheiten. Dieses Karussell würde sich allerdings nicht so gut drehen und wäre bei weitem auch nicht so effektiv, wenn es nicht auch ein Zielpublikum geben würde, das die jeweilige Fake News für bare Münze nimmt. Genau da liegt der Lösungsansatz von vielen Initiativen im Internet gegen Fake News: Und der heißt Aufklärung gemischt mit einer guten Prise Engagement.

Einige Intiativen gegen Fake News: Hoaxmap,  #ichbinhier und Correctiv

Das Prinzip der Hoaxmap ist ebenso simpel wie genial. Auf einer Landkarte werden Gerüchte oder auch schlichtweg falsche Behauptungen in Bezug auf Flüchtlinge gesammelt und die jeweiligen Wiederlegungen gleich mitgeliefert. So schreiben die Hoax-Map Macher auf ihrer Website: „Die Hoaxmap ist aus dem Wunsch entstanden, eine Ordnung in die Vielzahl gestreuter Gerüchte zu bringen und die Dekonstruktion selbiger zu erleichtern.

Screenshot Hoax Map1
Hoax Map (Quelle: hoaxmap.org)

Die Facebook-Gruppe #ichbinhier zählt mittlerweile um die 35.000 Mitglieder und kämpft zwar nicht auf dieselbe Weise wie die Hoaxmap gegen Fake News, setzt sich aber gegen Hetze in den sozialen Medien ein. Ursprünglich stammt die Idee aus Schweden, seit Ende Dezember gibt es nun die Gruppe #ichbinhier. Jeden Morgen wird dort ein sogenanntes Leuchtfeuer angezündet: Das Leuchtfeuer ist ein Facebook-Post, unter welchem Mitglieder Online-Beiträge posten können, bei denen in den Kommentarspalten gegen Flüchtlinge oder andere Minderheiten besonders gehetzt wird. Andere Mitglieder mischen sich daraufhin unter dem Hashtag #ichbinhier in die Diskussion ein und versuchen mit ihren Kommentaren und Likes für ein differenziertes Klima zu sorgen. Obwohl die Gruppe laut Gründer Hannes Ley im FAZ-Interview mitunter dem Vorwurf der „Meinungspolizei“ ausgesetzt ist, muss man sich nur manche Kommentarspalten beispielsweise bei Bild.de anschauen um zu verstehen, wie wichtig und notwendig diese Aktionen sind.

Das Recherchezentrum Correctiv möchte da zusammen mit Facebook noch einen Schritt weiter gehen. Dort sollen, zunächst in einer Testphase, Beiträge überprüft werden, die erstens von Nutzern gemeldet worden sind und zweitens eine gewisse Reichweite haben. Wichtig: Der entsprechende Beitrag wird nicht gelöscht, wenn er „falsch“ ist, sondern markiert. Denn Zensur bleibt, so Gründer David Schraven, „in der Regel den staatlichen Stellen“ vorbehalten.

To be continued

Das Phänomen „Fake News“ scheint weder einfach zu fassen zu sein, noch ist es so einfach aus den Untiefen des Internets zu verbannen. Die Grenzen zwischen Meinung und Fake News sind vor allem bei Facebook und Co mitunter fließend. Eine wichtige Frage ist hierbei, wie man Fake News Einhalt gebietet ohne gleich Zensur auszuüben und dabei Gefahr zu laufen, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu untergraben. Initiativen wie die Hoaxmap oder die Facebookgruppe #ichbinhier gehen dabei aber schon einmal in die richtige Richtung. Am Ende bleibt wohl nur die gesunde Skepsis bei vermeintlich seriösen Nachrichten, deren Ursprung nicht klar oder verdächtig ist. Welche Strategien das Recherchezentrum Correctiv gegen Fake News entwickelt ist momentan noch nicht ganz klar. In diesem Sinne: To be continued.

ZigZag-05

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