Das Freiberufler-Dasein

Von Marianne Blaschke, Illustration: Franziska Martin

Die Wochen die vor einem liegen sind gefüllt mit Arbeitstagen, Terminen und Abgabedaten. Das kennt eigentlich jeder von uns und ist auf den ersten Blick der normale Alltag. Als Freiberufler hat man aber den Vorteil sich diese Zeiten selber einzuteilen. Man kann z.B. als Journalist bestimmen wann Termine stattfinden, an welchen Tagen man in einem Büro oder einer Agentur arbeitet, genauso wie wann und wo man Zeitfenster für Themenfindung, Recherche und Interviewtermine einplant. Das klingt entspannter als es wirklich ist. Denn durch die Freiheit zu entscheiden wann das alles im Laufe eines Monats passiert, hat man auch die komplette Verantwortung dafür und muss sich gut strukturieren, um nicht im Sumpf von Arbeit zu versinken.

Der Alltag steckt voller Möglichkeiten und in dieser Fülle kann man sich durchaus auch mal verlieren oder überfordert fühlen.  Schon zu Schulzeiten werden wir mit der Frage konfrontiert was wir mal werden wollen. Denn der Beruf formt uns. Und ist in vielen Fällen nicht nur eine Tätigkeit, die wir täglich ausüben, sondern ein wichtiger Bestandteil von uns selbst. Allerdings gibt es neben der Frage des eigentlichen Berufes auch die Frage WIE wir arbeiten wollen und können. Damit ein Beruf nicht nur eine öde Arbeit ist, sondern uns auch mit Lebensfreude erfüllt, ist es ebenso wichtig herauszubekommen, wie wir unsere Stärken am besten nutzen können. Und dann ist da noch die Frage: Arbeitet man lieber als Angestellter oder als Freiberufler?

Was zu Uns passt

Den Freiberufler findet man in vielen Jobbereichen und sie decken in Deutschland eine große Gruppe ab. Hier mal eine kleine Liste der Freiberufler: Erzieher, Rechtsanwälte, Apotheker, Hebammen, Notare, Steuerberater, Altenpfleger, Masseure, Dolmetscher, Logopäden, Historiker, Zahnärzte, Stadtplaner, Restauratoren, Informatiker, Journalisten und noch viele weitere. Alle diese Berufe findet man oft in eigenen Räumen, z.B. in einem eigenen Laden, einer Kanzlei, einer Praxis oder einem Büro. Das bringt Freiheit, weil man sein eigener Chef in den eigenen vier Räumen ist. Aber es bringt auch mehr Verantwortung mit sich. Und genau das sind die zwei Seiten der Medaille, die jeder Selbstständige jeden Tag aufs Neue mitbekommt und lebt.

Man muss sich seine Zeit und die Aufgaben selber einteilen. Spricht mit Kollegen die wichtigsten Dinge durch, damit der Laden läuft und der Rubel rollt, wie man so schön unter Freiberuflern sagt.  Läuft es gut, ist man glücklich und es gibt keinen schöneren Beruf und keine bessere Erfüllung als diese Art der Arbeit. Läuft es aber mal nicht so gut, sitzt einem die harte Realität im Nacken und man muss nochmal durchplanen, nachrechnen und umstrukturieren, um wieder aufatmen zu können.  Ein erfolgreicher Freiberufler zu sein, heißt sich unglaublich organisiert und zielstrebig durchs Leben kämpfen.

Neben Abschlüssen gibt es noch etwas wichtiges, was der Freiberufler mitbringen muss. Das Leben so zu nehmen wie es kommt und das Beste aus sich raus zu holen. Der Weg des Freiberuflers kann völlig unterschiedlich begonnen haben. Ob durch eine Ausbildung, ein Volontariat, ein Studium oder auch als Quereinstieg, eine Entscheidung für einen bestimmten Beruf kann einen automatisch in die Kategorie Freiberufler manövrieren. Dieser Situation muss man sich bewusst sein, wenn man sich für einen bestimmten Beruf entscheidet.

Der Freiberufler und der Schwimmer

Das Freiberufler-Sein ist ein bisschen wie Schwimmen.

Denn auch beim Schwimmen lernt man zuerst im flachen Becken. Man lernt die Arm- und Beinbewegungen, übt wie man atmet. Neben Brustschwimmen gibt’s auch Rückenschwimmen und auch die ersten Tauchversuche kommen dazu. Das erste Mal eigenes Geld verdienen fühlt sich an, wie im Schwimmen ein Seepferdchen zu bekommen. Voller Stolz und mit Zuversicht rein in die Zukunft – die Welt wartet auf einen und das Leben hält einem alle Türen offen.

Aber der Freiberufler will mehr bzw. hat gar nicht die Wahl sondern muss mehr wollen. Nur das Seepferdchen reicht nicht aus. Und erst wer nach Jahren immer noch Schwimmen kann und nicht untergeht, der hat sich bewährt. Man muss abwägen inwieweit einem die Härte dabei nichts ausmacht – einfach weil das große Ganze passt. Und genau das ist was man will. Das Gefühl zu haben, man ist genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort und man hat sich das alles selbst aufgebaut. Vielleicht sogar der Gedanke, dass man Glück gehabt hat. Und ist das nicht eigentlich genau das was wir alle wollen?

Ob sich das immer lohnt? Wer weiß! Aber der Versuch und die vielleicht damit verbundenen Bronze-, Silber- und Goldabzeichen sind es ja vielleicht wert. Und ist es nicht schön nicht nur einen Beruf zu haben, sondern etwas das einer Berufung nahekommt? Klar in erster Linie gehen wir arbeiten um einfach Geld zu verdienen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir den Kram unser Leben lang machen, da sollte ein inneres Freudenfeuer schon drin sein, vor allem am Anfang des Berufslebens.

Das Ding mit der Freiheit

Warum heißt es eigentlich Freiberufler? Das Wort „Frei“ klingt schon mal gut. Wir wollen doch alle irgendwie frei sein. Ist das immer was Gutes? Der Freiberufler ist ja auch nur eingeschränkt frei. Er hat die freie Entscheidung die Dinge so zu tun wie er sie möchte und sie ihn weiterbringen. Aber gebunden an den alltäglichen Stress ist er genauso wie jeder andere Berufstätige.  Einige Freiberufler haben sich für einen Mittelweg entschieden, bei dem sie einerseits gewisse Freiheiten haben, z.B. bei der Zeiteinteilung und Terminen, andererseits aber auch an einen Arbeitgeber gebunden sind und feste Arbeitszeiten haben. Damit geben sie ein Stück Freiheit ab aber eben auch ein gutes Stück Verantwortung.

Egal was du machst, ob frei oder nicht, angestellt oder nicht, wichtig ist, immer dran zu bleiben und das Beste aus sich raus zu holen, sich weiter zu entwickeln und den eigenen Lebensweg bestreiten. Neben dem stressigen Alltag mit Aufträgen, Terminen, weiten Fahrten und Rechnungen, hat man auch noch oft den inneren Schweinehund, der täglich in einem knurrt.

Denn man muss nichts, aber kann alles und sollte einiges, damit das Leben läuft. Jedes Gewässer ist anders. Wir begegnen vielen verschiedenen Mitschwimmern. Wichtig ist, sich auszutauschen und im Kontakt mit Leuten zu sein, die auch als Freiberufler arbeiten. Man lernt immer wieder etwas dazu, denn wir müssen, wie schon gesagt, das Leben so nehmen wie es kommt. Jeder Gedanke oder eine gute Idee hilft mehr und mehr zu wissen, ob wir uns für die richtige Art des Berufslebens entschieden haben. Und gewisse Einschränkungen sind dabei vollkommen ok. Denn das Leben steckt voller Möglichkeiten.

 

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